Länderfinanzausgleich: Jubelsender hr-online

Tja, da gab’s was zu jubeln: Begeisterung beim Hessischen Rundfunk, der glanzvoll über die gemeinsame Tagung der klagenden „Geberländer“ in Wiesbaden berichtet. Doch was ist das? Der Beitrag ab 17:35 Uhr lässt mich stutzen: Ausgiebige Stellungnahmen der Gastgeber. Kein Kritiker kommt zu Wort. Kein Hinweis, dass die derzeitige Situation aus einem zwei Jahre alten Urteil des Bundesverfassungsgerichts hervorgegangen ist, das auch Hessen und Bayern damals ausdrücklich begrüßt hatten. Und dass ab 2016 ohnehin Verhandlungen über eine Neuordnung des Länderfinanzausgleichs geplant sind,  denen sich Bayern und Hessen nun verschließen, wird mit keiner Silbe erwähnt. Stattdessen drei dumme, unreflektierte Hörerkommentare; ohne Richtigstellung der falschen Fakten durch den Sender.

Im Web, selbst jetzt, am späten Abend, sprechen die verschlagzeilten hr-online Links für sich: „Sitzungsstart mit Länderhymnen – Klage gegen Finanzausgleich wird festgezurrt – Bouffier in hr1: Das ist keine Wahlkampfpropaganda“. hr, der Jubelsender? Doch nun hat man sich etwas gefangen und lässt andere Stimmen zu Wort kommen: „Wirtschaftsforscher: Am Ende könnte Hessen auch mehr zahlen müssen“. Wenn auch keine Gegenposition, so doch immerhin eine Analyse. Gibt es im Hessischen Rundfunk erst nach internem Gerangel ausgewogene Berichterstattung zum Thema Landesregierung?

Ganz anders der Deutschlandfunk, ab 18:17 Uhr bei etwa gleicher Länge des Beitrags, wird das Ergebnis mit den notwendigen Hintergrundinformationen garniert. Und der NRW-Finanzminister kommt kurz mit seiner Gegenposition zu Wort (klar, man ist in Köln).
Selbst die Tagesthemen am gleichen Abend berichten ausführlich, über Hintergründe und Gegenpositionen. Und dass Bayern erst seit 1993 zahlt. Bis 1986 war es übrigens Empfängerland. Aber das habe ich nicht im hr erfahren.

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